MTB, 3 Tagesausfahrt in die Vogesen vom 1. bis 3. Juli

Single-Trails in den Vogesen –oder  „Glaubt mir, im Elsass ist eigentlich immer schlechtes Wetter.“

 

 

Dieses Jahr wurde ein außeralpines Gebiet von der Erwachsenen-Gruppe des RV Gomaringen für die jährliche Ausfahrt gewählt: vom 1.-3. Juli 2016  testeten Bernd, Markus, Robert und Kay die Mountainbike- und Wetter-Qualitäten im benachbarten Elsass. Schon bei der Planung gab es Stimmen die unkten, dass in den Vogesen immer schlechtes Wetter sei. Doch sie wurden nicht wahrgenommen....

Aber allen Unkenrufen zum Trotz empfing uns das Elsass auf der Anfahrt mit nur leichter Bewölkung und an den höchsten Bergflanken leuchteten uns Schneefelder entgegen.

 


1. Tag:
Kurz nach Ankunft am Freitagmittag in Metzeral starteten wir zu einer kleinen Erkundungstour in der direkten Umgebung unseres Chalets.  Ziel war der Lac de Schiessrothried, der relativ bequem auf steilen Forstraßen erreicht wurde. Am See rückten wieder die schon bekannten Schneeflecken an den höchsten Karwänden in unseren Blick. Kurzerhand erweiterten wir deshalb die „Einfahrtour“ und kurbelten über verwurzelte Trails zur Gaschney  und zuletzt über verblockte (Schiebe-)passagen zum höchsten Punkt oberhalb des Sees, dem Le Hohneck. Anschließend umrundeten wir auf dem Grad fast das gesamte Kar und wählten eine auf der Karte als Wanderweg eingezeichnete Line als Abfahrtsroute.  Die ersten hundert Höhenmeter ging es gut fahrbar oberhalb der Schneefelder flowig über Weiden und Matten, doch im Wald änderte sich der Charakter drastisch: schmale, fahrbare Wanderwege wechselten sich mit grob verblockten, teils stark ausgesetzten Passagen ab. Selbst das Tragen und Schieben der Bikes wurde hier zur Herausforderung. Die verwunderten bis fassungslosen Blicke der wenigen Wanderer bestätigten diesen Eindruck.

Mit leeren Trinkflaschen und Mägen erreichten wir nach dieser ersten „Erkundungstour“ mit über 1000 Hm im schweren Gelände nach über 6 Stunden spätabends etwas abgekämpft unser Chalet.
Als krönender Abschluss hatten wir durch unsere verspätete Rückkehr immerhin noch 14 Minuten Zeit das zur Anlage gehörende Schwimmbad zu testen und unsere geschundenen Beine und Seelen baumeln zu lassen und argwöhnisch die zielstrebig aufziehenden Wolkenfelder zu betrachten...

 

 

2. Tag

Da der Bäcker erst um 7.30 Uhr öffnete hatten wir Zeit auszuschlafen und das Wetter zu beobachten: sehr schnell ziehende dunkle Wolken mit kaltem Nieselregen wechselten sich mit kürzeren, etwas  helleren Abschnitten ab, welche kurzzeitig die Blicke auf die höchsten Gipfel freigaben.

Unerschrocken starteten wir um 9.00 Uhr in Richtung Grand Ballon: rund 60 Km mit Gegenwind und Niesel sowie 2000 bis 3000 Hm trennten uns jetzt nur noch von unserem heutigen Vorhaben.

Der erste Pass nach 700 Hm sollte uns den ersten Blick auf unser Tagesziel freigeben. Doch statt des erwartet Grand Ballon blickten wir in eine aus dem Westen aufziehende Schlechtwetter- Front mit Starkwind und Regen. Wir waren also bisher im Regenschatten der Bergkette auf der wettertechnisch „guten“ Seite geradelt. Angesichts dieser Tatsache beschlossen wir umzukehren und einen Trail zurück zu suchen. Dies gestalte sich allerdings schwieriger als gedacht, sodass wir letztendlich größtenteils auf Forstwegen zurückrollen mussten.

Die nächsten zwei Stunden mit Nieselregen überbrückten wir „zwangsweise“ im Schwimmbad und im Whirlpool. Vom warmen Wasser aufgeweicht und träge gelang es uns aber am Nachmittag dann doch in unsere noch feuchten Bike-Klamotten zu klettern und bei schwächer werdendem  Niesel nochmals zum Lac de Schiessrothried zu pedalieren um auf der Karte eingezeichnete Wanderwege auf ihre Trailtauglichkeit zu testen. Da der erste Wanderweg sich aber als  eine langweilige „Forstautobahn“ entpuppte nahmen wir die halbe Strecke bergauf nochmals in Angriff und fanden zum Abschluss einen fordernden, engen Singletrail zurück zu unsrem Domizil, sodass wir immerhin noch auf 1400 Hm und 40 km Strecke kamen.

 

3. Tag

Als Abschlussrunde nahmen wir am Sonntagmorgen von Munster den Petit Ballon in Angriff. Und obwohl wir uns geographisch gesehen noch in den Vogesen befanden blitzte die Sonne immer häufiger durch die abnehmende Bewölkung, so dass  uns der fast 20 Km lange Aufstieg zum Petit Ballon auf schattigen Waldwegen und durch kühle Wiesenpfade angenehm erschien. Nach einer kurzen Pause unterhalb des Gipfels und dank den Tipps eines Locals genossen wir als endgültigen Abschluss dieser drei Tage eine geniale Single-Trail-Abfahrt über fast 1000 Hm mit (fast) allem, was das Biker-Herz begehrt, zurück zum Auto.

Auf der gesamten Rückfahrt wurde kein einziges Mal mehr über das Wetter im Elsass gesprochen.

 

 

 

Kay Sickinger